Jeanettes Lebensbericht

Zufriedenheit ist die grösste Wundertäterin.
Sie verwandelt Wasser in Wein,
Sandkörner in Perlen,
Regentropfen in Balsam,
die Armut in Reichtum,
das Kleinste ins Grösste,
das Gemeinste ins Edelste,
die Erde in ein Paradies.
Schön ist das Herz,
das in all seinen Regungen mit sich selbst
im reinsten Einklang bleibt,
schön ist das Leben,
dessen Taten untereinander
vollkommen übereinstimmen.

Kaspar Hauser

Jeanettes Lebensbericht

Geboren am 29. Mai 1963, als jüngstes Kind von Elisabeth Hägeli – Walker und Otto Hägeli.
Aufgewachsen mit 5 Geschwister mit grossem Altersunterschied, geprägt durch den Verlust des Vaters mit
5 Monaten. Im Vorbild einer starken Weiblichkeit durchs Mueti und drei Schwestern, erlebtest du eine glückliche Kindheit und Jugend. Durftest dich zur Pädagogin ausbilden lassen und dein Beruf voll Begeisterung leben.
In Thomas Vogel fandest du einen Partner fürs Leben. Zusammen gründeten ihr eine Familie und es wurden euch Varinja, Vincenzo und Moreno geliehen.

Zusammen habt ihr viel geträumt.
Gemeinsam habt ihr viele Träume umgesetzt:

Schulprojekte
Merana im Piemont
Familie mit Familiennestern
Heilpädagogik und Teambildung
derORT Sänthisthur
La Cote in Frankreich
und – . . . das Sterben

 

Dank für deine Musik, die uns immer wieder mitnahm, mittrug in andere Welten, andere Universen.
Du hast unermüdlich gesucht, durchforstet, gesammelt. Immer mit dem Traum, das perfekte Lied, Stück oder Komposition zu finden.

Du hast die Musik gehört.
Du hast die Musik gesehen.
Du hast die Musik gewusst.

Schlussendlich fandest du deine Stimme, deine Klänge, deine Urmusik in dir selber.
Danke für diese Hingabe im Dienste von und für etwas Grösseres.
In amin nora di san.

Du bist für die Freiheit des Weiblichen eingestanden. Du hast, geprägt durch deine Kindheit, starke Rollen der Frau erlebt und verstanden, dass das Weibliche nicht nur mit  „Frausein“ in Verbindung steht.
So wähltest du den Weg der Weiblichkeit. Du wolltest nicht kämpfen, laut werden, demonstrieren.

Du wolltest den Weg nach Innen, den Weg der Stille, den Weg des Seins.

Dieses Sein bedeutete viele Entbehrungen, Verzicht auf vieles…
Du widerstandest der Verlockung unserer Gesellschaft nach Erfolg,
nach Anerkennung, nach Gesehenwerden, nach Mittelpunkt.
Du musstest nicht darüber sprechen, dich erklären. Du lebtest es.
Du warst sie, die Weiblichkeit.

So hast du mit deinem Sein die Räume geflutet, das Feld dieser Zustände erinnert, Wurzeln und Zellen der Anwesenden geweckt. Der Hunger, das Verlangen des Gegenübers wurde berührt, gelöst, in Bewegung gebracht. Verstanden wurde nicht, aber gefühlt. Und die Lust nach mehr entfacht.
Du hast eingeladen, angestupst zum Inneren des Menschseins vorzudringen.
Du hast Räume geöffnet.
Du hast berührt.

Berührung fandest du auf dem Weg der Tragerlebensweise.
Was könnte weicher sein? Was könnte berührender sein? Was könnte nährender sein?
Du hast immer weitergeforscht. Bis ans Ende.

Frei sein
Dein Same ist gesät
Dein Same keimt auf
Dein Same wächst

Im nach „Innen Gehen“ hast du Schönheit erschaffen, um aus der Quelle zu schöpfen, die in der Höhle, in der Gebärmutter Mutter Erde immerwährend fliesst.
Dieses dein Sein füllte all unsere Träume, all unsere Räume, all unser zu Hause.
Danke.

 

Du hast deine Krankheit, dein Sterben als dein Gegenüber gesehen, es ernst genommen,
es als wahr gewusst, es als den einzig würdigen Gegner in unserem Sein gesehen.
Du hast ihn nicht bekämpft. Du hast ihn weich geatmet.
Zum Schluss die Grenze durchatmet, um in deine Höhle zu gelangen.
Du konntest los-lassen, Kontrolle abgeben, Verantwortung wandeln und fliessen lassen,
bis zum letzten Atemmoment, bis zum letzten „Lass es sein“.

Mysteriös, bizarr; die meistverwendeten Worte aus dem Feld der medizinischen Wissenschaft. Du wolltest dieser Qualität Raum öffnen, neben dem Ja, dem Nein, der dritten Möglichkeit ihre Chance geben.
Dein Bewusstsein war zum Schluss so fein, so stark, dass das Mysteriöse seine Tore sprengte.
Die Polaritäten verschmolzen, wurden eins.
Du, das Weibliche, die Nährerin, die Raumhalterin, die Schmerzträgerin wurden gesehen,
wurden anerkannt, gehört, gewürdigt.

Ausgedrückt in Form von Harmonie und Schönheit.

magisch – bizarr – frei

 

Die Begegnung mit dem Tod als Kleinkind war dein Lebenstraum, dein Lebensprozess.
Der Tod war für dich alltäglich. Er begleitete dich durch dein Leben. Er war dir nicht befremdlich.
Du wurdest in eine Lebensreife, in ein Wissen geboren, das dich älter machte als du warst. Vielleicht warst du, obwohl mit Jahren gerechnet noch jung, alt und entsprechend müde. Du meintest, du hättest dein Leben gelebt, warst zufrieden mit dem was war, sahst die Schönheit in den Kleinigkeiten in deinem Paradies.
Deine Tränen waren Medizin.
Du warst erfüllt und reich.
Du lerntest zu verstehen.
Du erkanntest Vatis Verlust als Perle.
Dies führte dich zu reinem Einklang.

Klang, Schwingung, Energie.

Alles ist Energie.
Du warst Energie,
bist jetzt Energie.
Physisch für uns nicht mehr wahrnehmbar, aber da.
Da, in allem was dir wichtig, was dir wert war.

Das Feuer brennt weiter.
Energie, ohne zu wissen wie, von wann oder von wo.
Energie, weil ich es nicht anders weiss.
Energie, so nah, dass deine Hand auf meiner Brust meine Hand ist.
Energie, so nahe, dass wenn du deine Augen schliesst ich sofort einschlafe.

 

In tiefer Liebe
Dein Thomas
Deine Kinder; Varinja und Bharat, Vincenzo und Michèle und Moreno
Deine Enkel; Arun und Mera

 

Geschrieben am 29.05.26, am Geburtstag von Jeanette

 

Wir sind dankbar um all die Hilfe und Unterstützung, die wir diese Zeit durch erfahren durften.

Bea und Stefan
Theam AHD
Medizinischen Fachpersonen in den Spitälern
Beerdigungsinstitut in Mélisey
Mond – Schülern
Anderswie Beteiligten / Engagierten
Zuhörenden
Familie
Verbundenen
Helfern aus der Anderswelt
Ahnen / Verstorbenen
Dem Grossen Ganzen

Jeanette und Thomas Vogel,
La Côte, 70310 Esmoulières, Frankreich
+33 9 82 12 37 31
vogel@la-cote.net

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner